Haltung sonstiger Tiere
Hier erfahren Sie wissenswertes über die Haltung von sonstigen Tieren.
Winterfütterung von Vögeln
Wenn es draußen unangenehm kalt wird, denkt man zum Einbruch der kalten Jahreszeit an die wenigen Gartenvögel, die nicht gen Süden gezogen sind. Sie müssen in der ruhenden Natur überwintern und täglich ihr Futter suchen, wo doch gar nichts mehr wächst. Gerne möchte man diesen sympathischen Piepmätzen helfen und kauft also Vogelfutter, das man täglich in das Vogelhäuschen auf dem Fensterbrett oder im Vorgarten streut. Es ist dann auch sehr schön, das Futterhäuschen durch das Küchenfenster zu beobachten. Mehrmals täglich kommt das Rotkehlchenpärchen und auch das Amselpärchen zur Futterstelle. Man kennt bald die meisten Gäste, das Rotkehlchenmännchen ist immer etwas vorsichtiger als das Weibchen, die vorlaute Amsel, die immer noch ein Dankesliedchen singt usw. Das weckt die persönliche Verantwortung für die Tiere, die dankbar immer wiederkommen. Dieser Aufbau einer Beziehung zu den Vögeln, die Freude bei der Beobachtung, die Liebe zu den Tieren ist aber leider auch der einzige Nutzen, den die Winterfütterung bringt. Die Nachteile sind eine hohe Infektionsgefahr durch die Konzentration vieler Tiere auf engem Raum. Durch Kot können Salmonellen übertragen werden, eine für die Tiere tödlich verlaufende bakterielle Infektion. Durch den Dichtestress bei der Nahrungssuche reduziert sich die Eizahl des Geleges. Der Winter ist eigentlich ein natürlicher Selektionsfaktor, den kranke und schwache Tiere nicht überleben. Durch die Winterfütterung verringert man die natürliche Auslese, so dass ungünstige Eigenschaften an die nächste Generation weitergegeben werden können. Bei falscher Futterzusammensetzung oder bei zu langer Fütterung in die Brutzeit hinein kann man die Vögel sogar umbringen. Alle Nestlinge, auch die von Körnerfressern, müssen mit tierischer Nahrung, also kleinen Insekten und Spinnen, gefüttert werden. Pflanzliche Nahrung, die die Eltern bequem von der Winterfütterungsstelle herbeischaffen, können sie nicht verdauen, so dass sie sterben.
Insbesondere Kinder können aber durch die Beobachtung eines Futterhäuschens viel über die Vögel und Verantwortung für die Vögel lernen. Für alte und kranke Menschen kann ein Futterhaus auf dem Fensterbrett der einzige Kontakt zur Natur sein. Die Beobachtung der gefiederten Gäste kann von unschätzbarem therapeutischen Wert für diese Menschen sein. Winterfütterung ist also für den Menschen wichtiger als für die Tiere. Fall Sie füttern möchten, sollten sie dieses nur in absoluten Notzeiten machen: bei länger anhaltendem Frost, bei Eisregen oder bei einer geschlossenen Schneedecke. Die Fütterung darf nur unter Einhaltung strenger Regeln erfolgen, um den Vögeln nicht mehr Schaden als Nutzen zuzufügen.
Regeln für die Winterfütterung
- nur in Notzeiten während extremer Wetterlagen im Winter füttern: bei Dauerfrost, Eisregen oder einer geschlossener Schneedecke - eine vorherige Anfütterung = Gewöhnung an die Futterstelle ist nicht nötig - keine großen Mengen, sondern zweimal täglich füttern: frühmorgens wenn die Tiere erwachen und abends vor der Dämmerung, damit die Vögel Energie für die Nacht haben - geeignete Futterbehälter verwenden: z.B. Silofutterhäuser, die eine kleine Anflugstelle haben und nur einen Teil des Vorrats freigeben, Kot fällt auf die Erde und vermischt sich nicht mit dem Futter - Futter vor Feuchtigkeit (Regen/Schnee) schützen - Futterplatz vor Katzen sichern, d.h. für die Übersicht mindestens allseitig 2 m Abstand zu Bäumen und Gebüschen halten, aber dennoch relativ geschützt aufstellen, damit Fluchtmöglichkeiten bestehen - Futter und Futterstelle den am Standort vorkommenden Vogelarten anpassen: - Körnerfresser (Vögel mit dickem kräftigen Schnabel wie Finken, Sperling und Ammern): Vogelhäuschen mit Samen wie Sonnenblumenkernen und Hanf - Weich- und Insektenfresser (Vögel mit spitzem, schlankem Schnabel wie Amsel, Rotkehlchen und Star): reifes Obst, Haferflocken, Rosinen, Nüsse und Samen an einer Bodenfutterstelle - keine Speisereste füttern, schon gar keine gewürzten, keine gesalzenen Körner, kein Brot da dieses den Magen aufquillt (Ausnahme hier sind Wasservögel) - den Futterplatz sauber halten, Kotreste und verdorbenes Futter täglich entfernen (Infektionsgefahr u.a. durch Salmonellen!) - falls Sie einen toten Vogel in der Umgebung der Futterstelle finden, diesen sofort entfernen und die Futterstelle gründlich mit einem Desinfektionsmittel reinigen, erst nach 2-3 Tagen Pause hier weiterfüttern - lieber mehrere kleine als eine große Stelle einrichten (Reduktion der Infektionsgefahr) - immer pünktlich und ohne Pause weiterfüttern, schon bei einem Kurzurlaub an einem Wochenende können die Vögel, die an diese verlässliche Futterstelle gewöhnt sind, verhungern - nach Ende der Notzeit die Fütterung innerhalb einer Woche auslaufen lassen - niemals nach März füttern, für Nestlinge ist pflanzliche Nahrung tödlich
Vögel im Winter
Winterzeit ist die Ruhezeit der Natur und das gilt auch für Vögel. Brut, Mauser und längere Wanderungen fallen immer in die wärmeren Jahreszeiten. Durch ihr Flugvermögen können Vögel der Kälte und der erschwerten Futtersuche entfliehen. Entsprechend dem Umgang mit der kalten Jahreszeit unterscheidet man hierzulande Zugvögel, die den Winter in milder temperierten Gebieten der Erde verbringen und Standvögel, die auch im Winter hier verweilen. Wie der Mensch sind auch Vögel homöotherm, d.h. sie halten ihre Körpertemperatur selber konstant. Bei niedrigeren Außentemperaturen bedeutet dieses einen höheren Energieaufwand. Nahrung, insbesondere Fette, werden im Körper verbrannt um Wärme zu erzeugen. Dazu fressen Vögel sich im nahrungsreichen Herbst ein kleines Fettpolster an. Im Gegensatz zu Säugetieren, die mit diesem Vorrat wie z.B. der Igel in einen Winterschlaf verfallen, reicht ihr Vorrat nicht sehr lange. Vögel können nicht fasten, sondern müssen insbesondere im Winter täglich fressen. Für die Futtersuche bleiben ihnen nur wenige Tagesstunden. Sie reduzieren allerdings das energiezehrende Fliegen stark und suchen in ihrer näheren Umgebung, bzw. an bekannten Plätzen. Daher ist eine unregelmäßige Fütterung ehr schädlich als nützlich, denn wenn sich ein Vogel auf eine Stelle verlässt, verlernt er das Suchen bzw. findet nicht schnell genug Ersatz und verhungert oder erfriert recht schnell.
Das energetisch günstigste Futter ist Fett, wie z.B. in Meisenknödeln oder – ringen. Allerdings gehen vor allem Meisen, Kleiber und Buntspechte an dieses Futter, aber Reste die auf den Boden fallen, werden auch von Rotkehlchen, Sperlingen, Amseln, Buchfinken oder Wacholderdrosseln aufgepickt. Es gibt auch Vögel, die Wintervorräte anlegen. Der Eichelhäher vergräbt z.B. im Herbst Eicheln, Tannenhäher horten Haselnüsse, Kleiber verstecken Samen wie Bucheckern, Nüsse oder Sonnenblumenkerne unter der Borke von Bäumen. Vögel müssen eigentlich nicht frieren. Ähnlich unserer Kleidung wechseln sie ihr Gefieder (Federkleid). Während das Gefieder im Sommer eng anliegt und zur Kühlung sogar leicht abgespreizt wird, ist es im Winter kugelrund aufgeplustert. Zwischen den Federn sammelt sich ein dickes Luftpolster, das den Körper gegen Wärmeverluste isoliert. Die Füße werden übrigens im sogenannten Gegenstromprinzip gleichmäßig kühl gehalten. Somit sind die Vögel eigentlich gut dem Winter angepasst und können ihn auch ohne menschliche Hilfe überstehen. Allerdings ist es auch der Zeitraum der natürlichen Auslese, in dem schwächere Individuen sterben.
Richtiger Vogelschutz – die Schaffung natürlicher Futterquellen
Sinnvoller als die Winterfütterung ist die Erhaltung bzw. Anlage natürlicher Futterquellen. Eine naturnahe Gestaltung des Lebensraumes der Vögel ist Vogelschutz zu jeder Jahreszeit. In einem Garten mit vielen einheimischen Pflanzen finden viele Vögel Nahrung, Schlaf- und Wohnraum. Anstelle von exotischen Gehölzen wie Götterbaum und Rhododendron die ökologisch nahezu wertlos sind, sollte man bei der Gestaltung von Gärten mehr Wert auf einheimische Pflanzen legen, die Lebensraum für die heimische Tierwelt sind. Gehölze wie die Vogelbeere und die Vogelkirsche tragen diesen Namen, weil ihre Früchte sozusagen Hauptnahrungsmittel vieler Vögel sind. Neben der Beeren, die von der Reife im Herbst über den gesamten Winter am Baum verbleiben, leben auch vielerlei Insekten auf den Bäumen, die natürlich Nahrung für die insektenfressenden Vögel sind. Aber auch viele andere Bäume sind noch im Winter wichtige Nahrungsquellen. Neben den zahlreichen Insekten, Eiern und Larven bilden auch nicht abgeerntete Früchte wie z.B. Holunderbeeren, Äpfel, Birnen, Nüsse etc. einen wichtigen Vorrat. Besonders ergiebig sind hier die kleinfrüchtigen Wildformen, die zumeist für den Menschen weniger nutzvoll sind. Kleinere Gehölze wie Wildrosen, Kornelkirsche, Wolliger Schneeball und gemeine Berberitze bieten den Vögeln nicht nur in Frühjahr und Sommer Unterschlupf, Nistplätze und bei bedornten Sträuchern Schutz vor Räubern, sondern auch im Winter. Im Gegensatz zu Exoten, die häufig nicht fruktifizieren, tragen alle diese Pflanzen auch im Winter noch nahrhafte Früchte. Stauden und Wildblumen sollten vom Gartenbesitzer nicht im Herbst der Ordnung halber abgeschnitten und kompostiert werden, damit alles schön aussieht, sondern den Winter über stehen bleiben. Die vertrockneten Stengel ragen auch noch aus einer niedrigen Schneedecke heraus und die Samen können noch ohne Probleme von den Vögeln erreicht werden. Um solch sinnvollen Vogelschutz durchzuführen muss man übrigens nicht Besitzer eines großen Grundstückes sein. Bereits auf dem Balkon kann man einige einheimischen Stauden anpflanzen und diese im Winter einfach mit ihren Fruchtständen überwintern. Eine nahezu natürliche Zufütterung ist übrigens auch das Auslegen von Fruchtständen die man im Herbst eingesammelt hat. Hier bieten sich z.B. Sonnenblumen und die Wilde Karde an. (Auch hier aber unbedingt daran denken, dass die Vögel sich schnell an die Futterquelle gewöhnen, daher in Notzeiten niemals diese verebben lassen!) Ein reifer Apfel oder eine reife Birne wird insbesondere von Amseln, Wachholderdrosseln, einigen Meisenarten und Finken ebenfalls gerne angenommen.
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